Entdeckungen im Reich des Oybin

Das Zittauer Gebirge
Anfang der 1980er Jahre begann ich das Zittauer Gebirge mit seinen bekanntesten Ortschaften Oybin, Jonsdorf, Waltersdorf und Lückendorf für mich zu entdecken. Die Hauptgründe waren damals die Beteiligung am Neubau der Camera Obscura auf dem höchsten Punkt des Berges Oybin und die fast regelmäßige Teilnahme am jährlich Ende April stattfindenden Zittauer Gebirgslauf.
Die touristischen Informationen waren damals gut, allerdings bei weitem nicht so umfangreich wie heute. Interessierte aus aller Welt können sich auf den vielen individuellen Internetseiten über die schöne Region mit ihren kleinen und großen Highlights informieren. Umso mehr wundere ich mich immer wieder, dass ich oft in ratlose Gesichter sehe, wenn ich in meiner Nachbarschaft erzähle, dass ich mal wieder eine herrliche Wandertour durch das Zittauer Gebirge gemacht habe.
Das kleine Gebirge südwestlich von Zittau tangiert die deutsch-tschechische Grenze. Die beiden höchsten Berge, die 792 m hohe Lausche und der 40 m niedrigere Hochwald, liegen mit ihren Gipfeln sogar in beiden Ländern. Der markanteste Punkt ist jedoch der Berg Oybin (514 m) oberhalb der gleichnamigen Ortschaft.

Die Ruinen des Klosters und der Burg ziehen immer wieder Gäste an. Der klassische Aufstieg, vorbei an der spätbarocken Dorfkirche, führt durch die Ritterschlucht hinauf zur Burg- und Klosteranlage. Angekommen auf dem großzügigen Areal, können eine Menge unveränderlicher Attraktionen genutzt und besichtigt werden. Dazu zählen der Bergfriedhof, der Bergringweg mit seinen tollen Aussichten und die Klosterkirchruine mit ihrer einzigartigen Akustik.

Wie in meinem Beitrag über die Camera Obscura in Hainichen berichtet, war ich als Student einer von mehreren Tatkräftigen, welche die historische Lochkamera auf dem höchsten Punkt des Berges Oybin wieder mit zum Leben erweckt haben. Leider war die Camera Obscura mehrere Jahre geschlossen. Nun ist eine Besichtigung mit Vorführung wieder möglich, wenn auch nur an wenigen Tagen im Jahr.
Von Oybin zum Hochwald
Obwohl das Zittauer Gebirge mit zu meinen Lieblingsregionen zählt, habe ich ihm aus verschiedenen Gründen längerer Zeit keinen Besuch abgestattet. Aber endlich, endlich möchte ich schreiben, war ich mal wieder in dem kleinen Mittelgebirge im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien. Nichts Besonderes sollte es werden, eine einfache, klassische Wanderrunde mit Beginn und Abschluss im Kurort Oybin. Natürlich wurde es wieder etwas anders.

Vom zentralen Parkplatz in Oybin starte ich, mit dem Grünen Strich geht es auf der Bürgerallee talauswärts in Richtung Kelchstein und Hochwald. Der Wanderweg führt durch einen Mischwald und steigt stetig an. Ich passiere den Kelchstein, treffe auf die schmale, asphaltierte Hochwaldstraße, die auch als „Alte Rodelbahn“ bezeichnet ist. Der Weg wird bequemer, aber leider noch etwas steiler.
Nach reichlich 3,5 Kilometern ist der höchste Punkt der Wanderung schon erreicht, ich stehe vor der Berggaststätte „Hochwaldbaude“ (749 m). Die Grenze zwischen Sachsen und Böhmen verläuft genau über die Terrasse. Wer möchte, kann seine Verpflegung auf deutscher Seite in der Baude kaufen und diese dann auf tschechischer Seite verzehren. Ich mache eine Pause, genieße die weite Sicht ins böhmische Becken und erkenne in der Ferne u.a. den Jeschken (Ještěd – 1.012 m) mit seinem Fernsehturm, vermute Ausläufer des Isergebirges und erahne das Riesengebirge. Ich wechsle zur anderen Seite des Hochwaldes. Hier empfängt mich die Hochwald-Turmbaude mit dem angrenzenden Aussichtsturm. Ein kurzer Blick in Richtung Oybin und weiter geht die Wanderung.
Durch die Felsengasse zum Töpfer
Für den Abstieg benutze ich den Weg in Richtung Kammloch. Die Wegvariante wird als beschwerlich angekündigt, was ich tatsächlich bestätigen möchte. Der Pfad ist sehr steil, viele Steine müssen umgangen oder als Tritte benutzt werden. Wanderstöcke sind hier tatsächlich mal angebracht, der Autor hatte seine aber großzügig im Fahrzeug liegen lassen.
Irgendwann ist dann auch der beschwerlichste Abstieg mal zu Ende und ich erreiche die Kammstraße. Diese verbindet die beiden Oybiner Ortsteile Hain und Lückendorf. Die Wanderkreuzung nennt sich hier Kammloch (516 m). Die Wanderwegweiser zeigen sehr unterschiedliche Wanderziele an, auch Touren nach Tschechien sind möglich. Vor 13 Jahren hatte ich eine davon für einen Abstecher zum Sokol (Falkenberg – 593 m) genutzt, um im Anschluss den Hochwald von tschechischer Seite zu erwandern.

Weite Blicke von der Mönchskanzel
Gegenüber der Wanderkreuzung verschwindet der Wanderweg wieder in der Natur und führt mich in Richtung Große Felsengasse / Scharfenstein / Töpfer. Der Weg ist ab hier mit dem Gelben Punkt vorbildlich markiert. Trotzdem sollte man immer die Augen offen halten, auch wenn diese die meiste Zeit auf den etwas unebenen Untergrund gerichtet sein sollten. Die Große Felsengasse macht ihren Namen Ehre, die Steine haben dabei so schöne Bezeichnungen wie Muschelsaal und Bierdeckel. Am interessantesten fand ich eine kleine Aussichtskanzel, die „Mönchskanzel“. Durch einen schmalen Spalt gelange ich zu dieser und mir eröffnet sich ein herrlichen Blick auf Oybin, auf Teile der Burgruine und ich erkenne weiter westlich die Lausche bei Waltersdorf, sowie natürlich auch den Hochwald, auf dem ich noch vor kurzem stand. Der rechte Berggipfel ist mit einem Gebilde bekrönt, was wie eine Taube aussieht und auch so genannt wird.

Zurück auf dem Wanderweg laufe ich weiter und lasse den Scharfenstein links liegen. Diesen habe ich schon öfters bestiegen. Ich orientiere mich in Richtung Kleine Felsengasse und Töpfer. Zunächst geht es noch einmal kräftig bergan, der Anstieg ist durch Geländer gut gesichert. Kurz vor dem zweiten großen Ziel, dem Töpfer (582 m), zweige ich zur Böhmischen Aussicht ab. Dieser Schwenk lohnt sich, denn wiederholt gibt es schöne Ausblicke. Erneut erkenne ich in der Ferne den Jeschken, blicke in Richtung Zittau und sehe auf Olbersdorf mit seinem Olbersdorfer See, einem ehemaligen Tagebauloch.

Töpferbaude und Felsentor
Ich gehe wieder zum eigentlichen Wanderweg zurück und laufe zur Töpferbaude weiter. Neben dem Restaurant gibt es auch ein gut besuchtes Selbstbedienungsbistro. Ähnlich wie am Hochwald, bringt eine kleine Bahn, der Gebirgsexpress, die Oybiner Gäste zum Ausflugsziel und zu den Bewirtungseinrichtungen.
Ganz in der Nähe wartet mit dem Felsentor, früher auch Lochstein genannt, eine Aussichtskanzel auf den Besuch. Über eine schmale, teilweise eiserne Wendeltreppe steige ich auf, stelle oben aber fest, dass es für mich doch nicht so interessant ist und steige wieder ab. Anschließend beginne ich den Rückweg. Wieder mit dem Gelben Punkt als Orientierung laufe ich zur Gratzer Höhle, meinem nächsten Ziel. Ab hier wird die Wanderung für einen kurzen Abschnitt Neuland.
Der unbekannte Rückweg
Ursprünglich wollte ich den Bereich um die Töpferbaude auf direktem Weg ins Tal verlassen. Bei einem Blick auf die Wanderkarte entdecke ich plötzlich eine andere Möglichkeit. Etwas abseits von den traditionellen Wanderwegen führt der Oybiner Rundweg um die Formation „Gratzer Zinnen“ und „Gratzer Höhle“. Ich entschied mich schon bei der Wanderplanung für diesen Wegabschnitt, der offensichtlich nicht sehr oft begangen wird. Auch hier ist die Markierung mustergültig, den Pfad muss ich mir aber etwas nach dem Prinzip „try and error“ suchen. Letztendlich hat alles geklappt und ich finden den Abstieg zur Teufelsmühle. Die letzte Passage des bergab führenden Hauptweges ist breit und etwas ausgewaschen, aus dem Tal höre ich schon die Schmalspurbahn.
Ab der Teufelsmühle ist mir das letzte Stück nach Oybin bekannt und fast etwas Routine. Parallel zu den Bahngleisen und zum Goldbach erreiche ich meinen Ausgangspunkt nach viereinhalb Stunden. Mit allen Umwegen war die Tour etwa 13 Kilometer lang, rund 450 Höhenmeter musste ich bewältigen. Die etwas anstrengende Tour war trotzdem sehr, sehr schön. Zum Abschluss spaziere ich noch etwas durch den Ort und suche die Tourismusinformation auf. Von einer freundlichen Mitarbeiterin erhalte ich dort die frohe Kunde, dass die Camera Obscura wieder besucht werden kann.












