Freiberg in Sachsen – Bergstadt und viel mehr

Silberstadt Freiberg, Teil des UNESCO-Welterbes
Die in Mittelsachsen liegende Stadt Freiberg trägt viele Namen. Als Bergstadt wurde und als Universitätsstadt ist sie bekannt, mit der Marke „Silberstadt“ hat sie sich selbst geschmückt und der Welterbe-Status wurde ihr als Teil der „Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří“ 2019 zugesprochen.
Eine Vielzahl von Kulturdenkmalen und Sehenswürdigkeiten, die meistens in der historischen Altstadt zu finden sind, prägen das Gesicht der über 800 Jahre alten Stadt. Der nahezu komplett erhaltene mittelalterliche Stadtkern mit seinen Straßen, Gassen und Türmen lädt regelrecht zu einem Besuch ein. Diesen hatte ich schon einmal im März 2022 gemacht und nun, im schönen Mai 2026, wiederholt.
Von der Bergstadt zur Welterbestadt

Die Entstehung und Geschichte von Freiberg ist eng mit dem Bergbau und den damit angegliederten Wissenschaften verbunden. Geologie, Mineralogie, Montanwissenschaften und Chemie sind die dominierenden Wissensgebiete, welche auch in der 1765 gegründeten Bergakademie, seit 1993 TU Bergakademie Freiberg, gelehrt werden. Etliche Professoren zeichneten für bahnbrechende Entdeckungen und Erfindungen verantwortlich. Unter dem Titel „Auf den Spuren der Freiberger Geschichte – ein Spaziergang zu Denkmalen bedeutender Freiberger Köpfe“ können sich Interessierte zu 13 Stationen bewegen, an denen über eben diese Menschen und ihre Wirkungsstätten erzählt wird.
Seit 2019 ist die Bergbaulandschaft Freiberg ein Teil der Welterbestätte „Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří“. In dieser wurden auf sächsischer Seite 17 Stätten integriert, die tschechische Erzgebirgsregion ist mit fünf Bestandteilen vertreten. Zwar liegen die meisten Objekte der Freiberger Bergbaulandschaft etwas außerhalb der Bergstadt, diese ist aber mit ihrer historischen Altstadt ebenfalls vertreten und nennt sich Montanlandschaft Freiberg. Zur Erkundung beider Abschnitte bieten die Freiberger zwei Rundwege an.
Ein Spaziergang durch Freiberg
Eingeschlossen von einem nicht mehr vollständig erhaltenen Stadtwall, der Stadtmauer, zeigt die Altstadt von Freiberg zwei Gesichter. Der westliche Teil ist von geraden, rechtwinkligen Straßenzügen geprägt, welche den Obermarkt einschließen. Im älteren, östlichen Stadtbereich finden sich krumme, teilweise bergige Gassen und Straßen. Beide Abschnitte sind es Wert besucht zu werden und zeigen auch heute völlig unterschiedliche Charaktere. Also machte ich mich an einem schönen Frühlingstag auf den Weg nach Freiberg in Sachsen und schlenderte durch die Stadt.
Immer wieder interessant in ihrer Vielfältigkeit sind die Sitznischenportale, im Volksmund auch als Lästerbänke bezeichnet. Entstanden sind sie ursprünglich schon in der Gotik, auch wenn die hier dargestellten der Renaissance zugerechnet werden können. Diese Hauseingänge mit ihren Rundbogenportalen sind mir auch schon in anderen sächsischen Städten, wie z.B. Pirna und Meißen, begegnet. Zur Zeit ihrer Herstellung hatten die kleinen Steinbänke oftmals noch eine Funktion und die Stirnseite (Archivolte) des Rundbogens wurde meist mit verschiedenen Elementen geschmückt. Heute werden manche Steinsitze gelegentlich zu dekorativen Zwecken verwendet.
Mein Spaziergang führte mich auch am Freiberger Theater am Buttermarkt vorbei. Vor 235 Jahren von der Stadt erworben, ist das heutige Mittelsächsische Theater das älteste der Welt, welches noch im ursprünglichen Gebäude besucht werden kann. Die rund 600 Vorstellungen pro Spielzeit werden in Freiberg, Döbeln und auf der Seebühne an der Talsperre Kriebstein präsentiert.

Rundgänge durch Freiberg
Mein Weg durch das Zentrum von Freiberg ging meist durch sehr ruhige Zonen. Die in diesen beschaulichen Gassen angesiedelten Häuser sind in einem sehr gutem Zustand. Wo es wichtig erscheint, geben kleine Haustafel die entsprechenden Informationen. So ist der Stadtrundgang nie langweilig.

Am großzügig gestalteten Schlossplatz angekommen, hatte ich einen schönen Blick auf das seit 2008 wieder in einem vorzüglichen Zustand befindliche Schloss Freudenstein. In diesem befindet sich unter dem Titel „terra mineralia“ eine interessante Mineraliensammlung der TU Bergakademie Freiberg. Schräg gegenüber im Krügerhaus wird die Mineralogische Sammlung Deutschland als Dauerausstellung gezeigt.
Nicht ganz so bekannt, aber auch erwähnenswert ist die geowissenschaftliche mineralogische Sammlung im Abraham-Gottlob-Werner-Bau der TU Bergakademie Freiberg. Sie befindet sich in der Brennhausgasse 14, ist aber leider nur von Montag bis Donnerstag von 09:00-12:00 Uhr und 13:00-16:00 Uhr geöffnet.
Vis-à-vis zum Krügerhaus hält die Tourist-Information der Stadt eine Menge an Broschüren, Hinweisen, Souvenirs und natürlich Stadtrundgangvorschlägen bereit. Eine Menge individueller und geführter Rundgänge durch die Stadt stehen zu Auswahl. Um wirklich alle Angebote nutzen zu können, reicht ein Besuchstag oft nicht aus.

Ich beendete meinen Stadtspaziergang mit einem Schwenk über den Obermarkt, vorbei am Rathaus.
Zum Abschluss suchte ich die Fischerstraße 6 auf, nur 150 Meter vom Obermarkt entfernt. Hier wohnte Wilhelm August Lampadius (1772 – 1842), seines Zeichens ab 1794 Professor für Chemie und Hüttenkunde an der Bergakademie Freiberg. Er ist nicht nur der Erfinder des Schwefelkohlenstoffs, sondern sorgte auch für die erste öffentliche Gasbeleuchtung auf dem europäischen Kontinent. Aus Steinkohle, damals ein gängiges Heizmaterial, extrahierte er Gas und entzündete in einer Laterne eine Gasflamme, die wiederum Licht erzeugte. An seinem Wohnhaus in Freiberg erinnert eine Tafel und die Nachbildung der Gaslaterne an diese Erfindung. Für ganz interessierte gibt es hier einen „Lehrgang für angewandte Chemie 1812“ dazu.






