Interessante Wege durch die Uhrenstadt Glashütte

Glashütte in Sachsen – dort lebt die Zeit
Die Stadt Glashütte/Sa. ist seit 180 Jahren durch einen Industriezweig bekannt, der sehr viel Fingerspitzengefühl erfordert. Gemeint ist die Uhrenindustrie, speziell die der Präzisionsuhrenfertigung. Ferdinand Adolf Lange (1815 – 1875), Sohn eines Dresdner Büchsenmachermeisters, entschloss sich im Jahr 1845 das Uhrmacherhandwerk in dem kleinen Ort im Müglitztal mit einer Taschenuhrproduktion zu beginnen. Im folgten bis heute noch viele Fabrikanten, Manufakturen und Hersteller.
Meine Besuch zum Ende des Jahres 2025 galt mehr der sächsischen Kleinstadt und seiner Umgebung im Allgemeinen. Allerdings stellte ich bei meinem Stadtrundgang schnell fest, dass die lange Tradition der Uhrenindustrie immer wieder im Vordergrund steht.
Die Anfahrt durch das Müglitztal wird ab der Ortschaft Schlottwitz sehr interessant. Das Tal ist tief eingeschnitten, die Müglitz bildete einen mäanderförmigen Flusslauf. Über das Müglitztal hatte ich schon einmal im Zusammenhang mit einem Besuch in Lauenstein geschrieben (Ein historischer Pfad durch Lauenstein). Wer das Tal in aller Ruhe erleben möchte, sollte die Regionalbahn RB 72 (Heidenau – Glashütte – Kurort Altenberg), auch Müglitztalbahn genannt, nutzen. In einer knappen Stunde wird das gesamte Tal durchfahren, inklusive dem schönen Aufstieg von Geising nach Altenberg.
Ich nutzte für meine Anreise den PKW und parkte in der Nähe des Deutschen Uhrenmuseums Glashütte.
Das Deutsche Uhrenmuseum Glashütte

Das markanteste Gebäude im Zentrum der Stadt entstand in der Urform im Jahr 1881 und diente als Schulgebäude für die schon drei Jahre zuvor gegründete Deutsche Uhrmacherschule. Diese Ausbildungsstätte bestand bis 1940 und wurde dann in eine Meisterschule des Deutschen Uhrmacherhandwerks umgewandelt. Von 1951 bis 1992 war die „Ingenieurschule für Feinwerktechnik Glashütte“ in diesem Haus beheimatet. Schon 1950 wurde sie als „Fachschule für Feinmechanik und Uhrentechnik Glashütte“ gegründet. Am 31. Dezember 1992 wurde die Ingenieurschule geschlossen. Bis dahin erhielten ca. 2.500 Studenten eine Ausbildung.

Seit dem 22. Mai 2008 befindet sich in diesem geschichtsträchtigen Objekt das Deutsche Uhrenmuseum Glashütte. Mit der Uhrmacherschule „Alfred Helwig“ bildet die Firma Glashütter Uhrenbetrieb GmbH („Glashütter Original“) seinen Nachwuchs an eben dieser traditionellen Stelle aus. Alfred Helwig (1886 – 1974) war ein deutscher Uhrmacher und einer der bekanntesten Lehrer an der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte, wo er seine Tätigkeit im Jahr 1954 beendete. Wer sich für die Glashütter Uhrenfertigung im speziellen interessiert, findet auf den äußerst umfangreichen Internetseiten „Glashütte Uhren“ sehr, sehr viel Lesestoff.
Stadtrundgang durch Glashütte
Nach der Besichtigung des Gebäudes begann ich meinen Stadtbummel. Vorbei am Stadtbrunnen empfangen mich wenige Schritte später zwei Denkmäler. Eingebettet zwischen Bäumen steht das am 31. August 1895 eingeweihte Denkmal für den Begründer der Uhrenindustrie in Glashütte, Ferdinand Adolph Lange. Auf der anderen Seite, auf dem neugestalteten Platz vor der St.-Wolfgang-Kirche, erinnert seit 2020 ein Denkmal an seinen Urenkel Walter Lange (1924 – 2017). Im Alter von 66 Jahren gründete der in Dresden geborene Walter Lange am 7. Dezember 1990 die „Lange Uhren GmbH“, zwei Monate nach der Wiedervereinigung Deutschlands und 145 Jahre nachdem sein Urgroßvater den Grundstein für die Glashütter Uhrenindustrie gelegt hatte.
Als Abschluss eines kleinen Parkbereiches hinter dem Uhrenmuseum steht der Stadtbrunnen. Im Jahr 1923 eingeweiht, wurde er 89 Jahre später saniert und lädt zum Verweilen ein. Bei meinem Besuch im Dezember war die Anlage logischerweise ohne Wasser. Für die Gestaltung der Brunnenanlage wird der Dresdner Architekt Oskar Röhle vom Büro „Rose und Röhle“ genannt. So wird wohl auch er für den am unteren Sockelrand eingravierten Spruch „Wo ein Wille, da ein Weg!“ verantwortlich zeichnen.

Bei meinem Spaziergang sehe ich mir auch die überwiegend sanierten Bürgerhäuser an. An einigen Gebäuden finden sich Hinweistafeln, auf denen Erklärungen zu Produktionsstätten, Manufakturen und Persönlichkeiten von damals und heute zu lesen sind. Unter dem Titel „Spuren der Zeit“ kann so ein individueller Rundgang durch die Uhrmacherstadt Glashütte absolviert werden. Dafür gibt es einen entsprechenden Stadtplan, auf dem die einzelnen Stationen mit roten Punkten gekennzeichnet sind. In der Tourismusinformation im Uhrenmuseum ist eine ergänzende Broschüre erhältlich (3,80 €, Stand 12/2025).

Schöne Aussichten auf die Uhrenstadt

Nach so viel Stadtansichten wollte ich noch eine kleine Rundwanderung machen und mir den Ort so von oben beschauen. Wandermöglichkeiten werden sehr viele angezeigt. Einen erster Versuch, einen gelb markierten Weg in Richtung Aussichtspunkte Bastei und Pilz zu nutzen, scheiterte an der fortgeschrittenen Tageszeit.
So werde ich mir für die nächste Zeit eine kleine Tour rund um Glashütte zusammenstellen und über diese dann auch an dieser Stelle berichten.










