Stadt und Burg Hohnstein, hoch über dem Polenztal

Stadt und Burg Hohnstein
Die Stadt Hohnstein, die Burgstadt am Fels, wie sie sich selbst nennt, gehört zum vorderen Teil des im Jahr 1990 neu gegründeten Nationalparks Sächsische Schweiz. Geographisch ist dieser innerhalb des gesamten Elbsandsteingebirges in etwa mit dem 1956 geschaffenen Landschaftsschutzgebiet Sächsische Schweiz identisch.
Meistens werden für diese Region die Ausflugsorte Kurort Rathen, Stadt Wehlen und Stadt Königstein als touristische Magnete genannt. Hohnstein wird oft im Zusammenhang mit der dortigen Burg erwähnt, was durchaus seine Berechtigung hat. Das wusste auch schon Edgar Hahnewald: „Von wo man Hohnstein auch erblickt, immer beherrscht die Burg das Stadtbild und die kleinen Häuser schmiegen sich um sie.“ (*)

Mein erster Besuch in Hohnstein fand im Jahr 1973 statt, eine Klassenfahrt mit einer mehrtägigen Übernachtung in der damalige Jugendherberge in der Burg war der Anlass. Der Hin- und Rückweg vom bzw. zum Bahnhof im Kurort Rathen wurde zu Fuß bewältigt. Die Strecke Rathen – Amselsee – Pionierweg – Hockstein – Schindergraben – Bärengarten – Hohnstein war zwar nur sieben Kilometer lang, für 15jährige Schüler aber nicht unbedingt eine Freude.
Wanderungen bei Hohnstein
Bleibende Schäden hatte dieser Ausflug bei mir nicht hinterlassen, so dass ich auch in den folgenden Jahrzehnten die Stadt und Burg Hohnstein und deren Umgebung in meine Freizeittouren integrierte. So drehte ich mit meinem Wanderpartner Anfang Juni mal wieder eine traditionelle Wanderrunde. Vom zentralen Parkplatz in Hohnstein liefen wir die klassische Strecke zum Brand, stiegen in den Tiefen Grund ab und wanderten das Polenztal bis zur Waltersdorfer Mühle. Von dort nutzen wir für den Rückweg den Neuweg und den Räumigtweg, nicht ohne der Gautschgrotte einen Besuch abzustatten. Zum Abschluss ging es über den Halbenweg und den Bärengarten bis ganz hinauf zur Burg Hohnstein, wo wir in einem kleinen Café unsere 13 Kilometer lange Tour bei Kaffee und Kuchen beendeten.

Bei meiner kurzen, wandermäßigen Stippvisite war die Burgstadt am Fels nur Ausgangs- und Zielort. Eine ausgedehnte Besichtigung war da nicht geplant. Also fuhr ich für einen Stadtrundgang einige Tage später noch einmal in den Ort oberhalb des Polenztals. Ein mir bis dahin unbekannter Weg, der Röhrenweg, weckte dabei u.a. mein Interesse. Er ist nicht lang, man erhält aber von diesem einen schönen Ausblick auf die Stadt und die Burg.
100 Jahre Jugendburg Hohnstein
Der gute Zustand des Ensembles war mir schon beim Cafébesuch aufgefallen, nun besichtigte ich diesen Komplex etwas intensiver. Das Treiben von Kindern und Jugendlichen war groß, die Jugendherberge wird offensichtlich gut besucht.

Die Gründungszeit der ersten Burganlage liegt rund 800 Jahre zurück. Bis 1926 hatte sie eine wechselhafte Geschichte, Gefängnisinsassen waren dabei keine Seltenheit. Im April 1926, vor 100 Jahren, schien sich eine bessere Zeit anzubahnen. Die Jugendburg Hohnstein, eine Jugendherberge, wurde gegründet. Erster Herbergsleiter wurde Konrad Hahnewald (1888 – 1962), Bruder des Schriftstellers Edgar Hahnewald (u.a. „Sächsische Heimatbilder“). Leider änderte sich die Situation schon im März 1933 wieder. Die Nationalsozialisten besetzten die Burg, richteten ein Schutzhaftlager ein, der Herbergsleiter Konrad Hahnewald wurde dessen erster Häftling. Zwischen 1934 und 1949 hatten die Anlage und ihre Gebäude verschiedene Funktionen. Kriegsgefangene wurden interniert und Flüchtlinge und Vertriebene fanden nach 1945 ihre erste Unterkunft.
In den Jahren 1947/48 wurde das Objekt wieder zu einer Jugendherberge umgebaut und nach 1990 wechselten die Zuständigkeiten und die Mieter öfters. Heute ist die Burg Hohnstein wieder Herberge und Hotel mit einem öffentlichen Café. Zur Erinnerung an die Zeit von 1933 bis 1945 wurde im März 2025 die Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Hohnstein gegründet. Sie betreibt eine Gedenkstätte. Zu dieser und zur gesamten Burganlage ist der Zutritt kostenfrei.
Das Hohnsteiner Rathaus

Bei meinem Rundgang durch den Ort entdeckte ich zwei interessante Fachwerkhäuser. In dem einen ist das Hohnsteiner Rathaus untergebracht. Das Gebäude wurde 1688 erbaut und ist das älteste Fachwerkgebäude der Stadt. Ursprüngliche als Brauhaus, später als Korkfabrik, genutzt, wurde es 1917 nach Plänen des Architekten Woldemar Kandler zum Rathaus umgebaut. Woldemar Kandler (1866 – 1929) zeichnete als Architekt und Baumeister für unzählige Kirchenbauten (Neubau und Umbau), Profanbauten und Grabmale verantwortlich. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof in Dresden-Klotzsche, auf dem auch die von ihm gestaltete Grabanlage des dänischen Nobelpreisträgers für Literatur, Karl Adolph Gjellerup (1857 – 1919), zu finden ist.
Rund um den Marktplatz
Der Stadtbrand von 1724 hat viele Gebäude vernichtet. Neben dem heutigen Rathaus blieb auch ein weiteres Fachwerkhaus verschont. Es handelt sich um die Alte Apotheke am Marktplatz. Erst 1828 als solche eingerichtet, beherbergt das Gebäude seit dem Jahr 2002 ein Bergsportgeschäft. Erst unlängst saniert, erstrahlt das Gebäude wieder in schönen Farben.

Neben weiteren 52 Wohnhäusern wurde auch die erste Kirche von Hohnstein ein Opfer des Brandes. Das evangelische Gotteshaus wurde von 1725 bis 1728 neu errichtet und steht unweit vom Marktplatz. Der Dresdner Ratszimmermeister George Bähr (1666 – 1738) lieferte für den Bau die Pläne. Das gilt auch für die Schmiedeberger Kirche zur Heiligen Dreieinigkeit, die Bähr schon von 1713 – 1716 geschaffen hat. Das Hauptwerk des im Osterzgebirge (Fürstenwalde) geborenen und gelernten Zimmermanns bleibt die Dresdner Frauenkirche.
Seid ihr alle da?
Ja, genauer gesagt, schon seit 1928. Da gründete Max Jacob (1888 – 1967) in Hohnstein das Hohnsteiner Handpuppenspiel. Im heutigen Max-Jacob-Theater an der Max-Jacob-Straße begann die Spielzeit im Jahr 1939. Von 1956 bis 1990 wurde das Puppenspielhaus als Kino betrieben. Das Hohnsteiner Puppenspielfest feierte im Mai 2026 schon sein 40. Jubiläum. Dabei war es erst die 38. Auflage, in der Coronazeit waren zwei Feste verboten.
(*) Edgar Hahnewald in „Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Band 20, 1931“
(**) Dr. Jörg Blobelt / CC BY-4.0 – Schmiedeberg Kirche Zur Heiligen Dreieinigkeit





