Vom Hohwald zum Nordkap – ein Waldspaziergang
Der Hohwald bei Neustadt / Sachsen
Nordöstlich von Neustadt in Sachsen liegt der Hohwald, ein kleines Waldgebiet mit einigen Wandermöglichkeiten und dem Valtenberg (586 m) als bekannteste Erhebung.

Dass Waldluft gesund ist, erkannte auch schon vor über 120 Jahren die sächsische Landesversicherungsanstalt (LVA). Sie erwarb im Hohwald um 1902 ein fast 94 Hektar großes Waldgrundstück und ließ dort 1905 ihre erste eigene Anstalt für tuberkulöse Männer mit dem Namen „Heilstätte Hohwald“ errichten. Aus dieser Anlage ist die noch heute existierende Asklepios Orthopädische Fachklinik Hohwald hervorgegangen, welcher ich unlängst einen Besuch abstatten konnte (nicht musste).
Bei meinem Aufenthalt hatte ich drei Stunden Zeit, so dass ich mir das Gelände mit der interessanten Geschichte näher betrachten konnte.
Die Hohwald-Klinik – von der Heilstätte zur Bezirksklinik
Schon 1893 riefen die Ärzte Dr. Felix Wolff und Geheimrat Dr. Fiedler, Leibarzt des sächsischen Königs Albert (1828 – 1902), den „Verein zur Begründung und Erhaltung von Volksheilstätten für Lungenkranke im Königreich Sachsen“ ins Leben [1]. Damit war der Grundstein für die sächsische Volksheilstättenbewegung gelegt. Neben dem Verein war die LVA eine treibende Kraft bei der Neuanlage von Heilstätten. So auch bei der neuen „Heilstätte Hohwald“. Zwischen 1905 und 1923 wurden in der Einrichtung fast 20.000 Kranke behandelt und diese zu fast 90 Prozent als erwerbsfähig entlassen.

Ab dem Jahr 1946, die LVA war inzwischen aufgelöst, übernahm die Sozialversicherungsanstalt Sachsen die Trägerschaft der Heilstätten. Von November 1951 bis zum 13. Dezember 1990 war sie dann als Sozialversicherung der DDR sogar Eigentümerin der Anlagen. Da die Anzahl der Lungentuberkulosepatienten ab den 1960er Jahren immer mehr abnahm, erfolgte im Jahr 1975 die Umwandlung in eine Bezirksklinik für Orthopädie und Rehabilitation.
Fachklinik für Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie

Ende 1990 wurde die LVA Sachsen neu gegründet und damit auch bis 1994 verantwortlich für die Hohwald-Klinik, die sie als orthopädisches Fachkrankenhaus weiter betrieb. Es folgte ein kurzes Intermezzo der privaten Memory-Kliniken Leipzig, welche 1997 in Insolvenz ging. Seit 1998 ist die Asklepios-Gesellschaft Eigentümer des Hauses. Seit Jahrzehnten sind die Leistungen der im Hohwald beschäftigten Angestellten auf höchstem Niveau. Im AOK-Gesundheitsnavigator des Jahres 2025 erhielt die Klinik eine Weiterempfehlungsquote von 91 Prozent, was ihr den ersten Platz sicherte.
Der Asklepios-Konzern betreibt im nur 13 Kilometer entfernten Sebnitz eine weitere medizinische Einrichtung, die Asklepios-Klinik Sebnitz. Zukünftig, etwa ab Januar 2028, werden die bisherigen Leistungen der Hohwald-Klinik (Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie) in Sebnitz angeboten. Die Einrichtung im ruhigen und beschaulichen Hohwald soll dann zu einer vollstationären Rehabilitationsklinik für orthopädische und geriatrische Rehabilitation umgebaut werden.
Waldspaziergang zum Norkap

Mein Bummel durch das Klinikgelände und die angrenzenden Wald- und Wiesenwege war schnell beendet. So blieb noch Zeit für einem Kurzausflug zum Nordkap der Tschechischen Republik, dem nördlichsten Punkt des Nachbarlandes.
Über diese kleine Sehenswürdigkeit hatte ich schon einiges gelesen. Die kürzeste Strecke ist nicht ganz einen Kilometer lang und beginnt an einem Wandererparkplatz in der Nähe von Steinigtwolmsdorf. Da ich aber schon ganz in Grenznähe war, entschied ich mich für eine eigene Variante. Vom Klinikgelände waren es nur wenige Meter zum gelb markierten Wanderweg, der auf tschechischer Seite von der Ortschaft Lobendava – Severní kommend, zum Nordkap führt.
Der Weg führte mich etwas wellig durch den Wald, vorbei an unzähligen, durchnummerierten Grenzsteinen. Nach reichlich zwei Kilometern Fußweg hatte ich den Grenzstein Nr. 2/41 erreicht, der am nördlichsten Punkt der Tschechischen Republik steht. Zu verfehlen ist dieser nicht, den eine Steinstele mit zwei Infotafeln, eine Seite in Tschechisch und auf der anderen in Deutsch, markieren ihn. Der Hinweg war gleichzeitig mein Rückweg.
[1] Dissertation Andreas Jüttemann;
Die preußischen Lungenheilstätten 1863 – 1934; 2015