Von Crostau hinauf zu den Kälbersteinen

Das Lausitzer Bergland
Das in der Oberlausitz liegende Lausitzer Bergland ist ein kleines Mittelgebirge mit interessanten Ausflugs- und Wandermöglichkeiten. Von den Einheimischen wird die Region südlich von Bautzen auch als Oberland bezeichnet und als das Kerngebiet der Oberlausitz angesehen.
Im Gegensatz zu manch anderen Mittelgebirgen, die meist durch einen einzelnen Bergkamm gekennzeichnet sind, weist das Lausitzer Bergland eine Besonderheit auf. Es besteht aus drei, fast parallel verlaufenden Bergketten. Das hat jede Menge Wanderwege zur Folge, von denen einige regional verlaufen, wie das Äberlausitzer Kleeblatt und der Oberlausitzer Bergweg. Letzterer ist ein Teil des Fernwanderweges „Zittau – Wernigerode“, markiert mit einem blauen Strich.
Viele dieser Wege führen über die mittelhohen Berge der Gegend. Zu den bekanntesten Erhebungen dieser Region zählen der Große Picho (499 m), der Mönchswalder Berg (447 m), der Czorneboh (556 m), der Bieleboh (499 m), die Weifaer Höhe (504 m) und der Valtenberg (587 m).
Die Kälbersteine bei Crostau

Ein weiterer markanter Punkt sind die Kälbersteine (487 m). Die kleine Felsenansammlung wird immer wieder in Wanderbeschreibungen erwähnt. Ich hatte sie bisher noch nie besucht, was sich nun ändern sollte. Oft beginnen die Touren in Sohland an der Spree. Ich habe mich für eine andere Wegstrecke entschieden.
Den Startpunkt für die rund 11 Kilometer lange Route legte ich in die Gemeinde Crostau, die zur Stadt Schirgiswalde-Kirschau gehört. Das Fahrzeug konnte ich auf einem kostenfreien Parkplatz am Schloss Crostau abstellen. Mit dem roten Punkt als erste Orientierung beginne ich meine Wanderung und verlasse den Ort. Schnell wurde die Waldkante erreicht. Leider ist beim Eintritt in das Waldgebiet an einigen Stellen von selbigen nicht mehr viel zu erkennen.

Da ich nicht direkt zu den Kälbersteinen laufen wollte, machte ich zuvor einen Schwenk zum Pickaer Berg (488 m). Vorbei an der „Wolfsgrube“, in der laut einer Sage eine Frau mit einem Wolf eine Nacht verbringen musste, bevor sie am nächsten Tag gerettet wurde, ist die kleine Erhebung schnell erreicht. Ein Namensschild empfängt mich, eine Aussicht gibt es leider nicht. Wieder zurück auf dem Wanderweg, laufe ich nun mit dem blau markierten Weg (Fernwanderweg „Zittau – Wernigerode“) zum 487 Meter hohen Kälberstein. Auf dem flachen Gipfel finden sich einige markante Felsen. Etwas abseits des höchsten Punktes ragt ein höhere Steinformation heraus, von der sich etwas Aussicht bietet. Der Zugang zu dem mit Geländern abgesicherten Aussichtspunkt erfolgt über eine Treppe.

Stadt Schirgiswalde-Kirschau
Nach etwas Fernsicht verlasse ich die Kälbersteinen wieder und wandere mit dem roten Punkt hinab bis ins Tal nach Schirgiswalde. Bis zur Talsohle des Spreetals gilt es immerhin etwa 200 Meter abzusteigen. Vorbei am Gondelteich, auf dem aktuell nicht gegondelt werden darf, laufe ich ins Ortszentrum, die katholische Pfarrkirche mit ihren beiden Türmen sehr markant vor mir. Die für die Oberlausitz typischen Umgebindehäuser finden sich überall.

Dass Schirgiswalde ab 1635 als böhmischen Enklave von Sachsen umgeben war und von 1809 an für 36 Jahre infolge des napoleonischen Krieges und seinen Folgen als Stadt ohne eigene Verwaltung und „freie Republik“ galt, ist Geschichte. In der Gegenwart finden sich in der Oberlausitz ebenso viele interessante Eigenheiten.
Über das Sonnenuhrendorf Taubenheim und seine vielen Sonnenuhren erzählte ich schon. In Schirgiswalde begegneten mir eine andere Art von Individualität. An vielen Stellen des Ortes stehen hölzerne Wegweiser, die zu ganz speziellen Zielen verweisen.



Vor über 100 Jahren begann der einheimische Schulleiter und Heimatschriftsteller Franz Rösler mit der Gestaltung der mit Figuren verzierten Wegweiser. Durch dieses Kunsthandwerk wurden mehrere Schirgiswalder Unikate verewigt, vom Heimatmuseumsgründer Carl Swoboda bis zum Gründer des Handwerkerkellers, Heinz Berger. Die originellen Originalstücke wurden in den Jahren 1997 bis 2000 durch Kopien aus Epoxidharz ersetzt, was eine ganzjährige Aufstellung ermöglicht.


Zurück nach Crostau
Nach der Außenbesichtigung der katholische Pfarrkirche, musste ich noch knapp vier Kilometer Rückweg wandern. Anfangs konnte ich in Richtung Kirschau bequem entlang der Spree (grüner Strich) laufen. Ab dem Schlossberg Kirschau führte mich die Straße zum angrenzenden Ortsteil Callenberg und von dort über einen letzten Auf- und Abstieg, vorbei am Callenberger Berg (361 m) zurück zum Ausgangspunkt in Crostau.

Dabei passierte ich auch die Crostauer Kirche. Diese beherbergt die einzige Silbermann-Orgel in der Oberlausitz. Eine schöne Aufnahme aus dieser können Sie hier hören – Silbermann-Orgel Crostau.