Sehenswürdigkeiten in Maxen

Das Bergdorf über dem Müglitztal
Seit 1994 gehört Maxen , ein Dorf auf einer Hochebene zwischen Pirna und Dippoldiswalde, zur Gesamtgemeinde Müglitztal. Die kleine Ortschaft glänzt mit einem umfangreichen Kultur- und Kunstangebot. Das interessierte mich und ich wollte mir alles näher besehen. Allerdings wurde mein Besuch etwas umfangreicher, als vorher gedacht.
Ich reise mit dem PKW an, von Kreischa kommend finde ich am Ortseingang von Maxen einen Parkplatz. Die ersten beiden Attraktionen sind in unmittelbarer Nähe und fußläufig erreichbar.

Der Kalkofen von 1856
Ein unbefestigter Weg führt mich wenige Meter bergab und schon stehe ich vor einem Bauwerk aus Naturstein. Es handelt sich um den historischen Maxener Kalkofen von 1856.

Ein intensives Vorkommen an Kalkstein zeichnete die Region aus. Diese Kalksteinlagerstätten wurden über viele Jahrhunderte unterschiedlich ausgebeutet. Der abgebaute Kalk fand häufig als Baukalk und zur Herstellung von Karbid Verwendung. In der Gegend um Maxen lagert aber auch eine geologische Besonderheit, ein verschiedenfarbiges Kalkgemenge, auch als Maxener Marmor bezeichnet. Die Marmorgewinnung war nur zeitlich begrenzt. Dafür wurde das interessante Gestein aber unter anderem in recht bedeutenden Gebäuden der nahen Residenzstadt Dresden eingesetzt. So sorgte Kurfürst Friedrich August I. (1670 – 1733), gleichzeitig König August II. und bekannt als August der Starke, dafür, dass die Kostbarkeit aus Maxen den Bau des Dresdner Grünen Gewölbes mit veredelte. Seit der Wiedereröffnung des Historischen Grünen Gewölbes im Jahr 2006, kann der bunte Maxener Marmor dort „live“ besichtigt werden.
Zurück zum Kalkofen von 1856, der vor dem Verfall stand. Ihn hat der örtliche Heimatverein im Zeitraum von 2004 bis 2011 verhindert. Die Vereinsmitglieder retteten, sanierten und erweiterten das Industriedenkmal durch viel Eigeninitiative. An der Fassade des Ofens befindet sich nun eine Tafel, welche die unterschiedlichen Arten und Strukturen der speziellen Marmorart zeigt. Das Innere des Kalkofens steht am Tag des offenen Denkmals, zu Sonderveranstaltungen oder bei einer gebuchten Sonderführung zur Besichtigung offen.
Wer dem Kalkofen auf’s Dach steigen möchte, kann das auch tun. Im Zuge der Sanierung erhielt der Ofenkopf eine Aussichtsplattform. Bänke laden zum Verweilen ein und über die grüne Landschaft reicht der Blick bis zum Wilisch und seinen Nachbarbergen.
Naturbühne Maxen

Nur wenige Schritte vom Kalkofen und seinem Aussichtspunkt entfernt, liegt die Naturbühne Maxen. Auch wenn ich selbst bisher noch keine Veranstaltung besucht habe, interessiert mich das kleine Naturtheater. So schlendere ich durch den ehemaligen Marmorbruch und besichtige den Zuschauerraum, stehe endlich mal auf einer Bühne (zum Glück ohne Zuschauer) und informiere mich an zahlreichen Tafeln über die Geschichte der Kulturinsel.
Vor 70 Jahren waren es kulturinteressierte und engagierte Menschen, die den Grundstein für die Naturbühne Maxen gelegt haben. Ein Schullehrer aus dem Ort und zahlreicher Helfer errichteten die Spielstätte. Leider gab es in dem idyllischen Areal nur 10 Jahre lang Veranstaltungen, dann wurde die Bühne geschlossen und verfiel.


Ein halbes Jahrhundert nach der Erstaufführung wagten die Maxener einen Neustart. Und wieder waren es die Menschen aus der Gegend, besonders Mitglieder des Jugendclubs Maxen und Vereinsmitglieder des Heimatvereins Maxen, welche den ehemaligen Marmorbruch wieder bühnenreif machten. So gibt es nun seit rund 20 Jahren jährliche Veranstaltungen, die immer wieder ihre Gäste anziehen.
Das Blaue Häusel
Ich verlasse die Naturbühne, laufe durch den Ort, an der Kirche vorbei und erreiche über einen Feldweg den Waldrand. Ein Hinweisschild weist mir den Weg zum „Blauen Häusel“ und zur „Hans-Christian-Andersen-Lärche“. Beide Ziele liegen direkt vor mir.

Das Blaue Häusel, ein gelber, quadratischer Pavillon, dessen Namen der Volksmund vom blauen Dach abgeleitet haben soll, wurde 1848 am Hang zum Müglitztal errichtet. Bauherr und Initiator für das Gartenhaus war der damalige Rittergutsbesitzer von Maxen, Major Johann Friedrich Anton Serre (1789 – 1863). Dessen kunstinteressiertes Wirken, gemeinsam mit seiner Frau Friederike, zog damals national und international bedeutende Künstler in den Ort. Neben dem späteren Ehepaar Clara (damals noch Clara Wieck) und Robert Schumann, dem Maler Ernst Ferdinand Oehme, den Bildhauern Bertel Thorvaldsen und Ernst Rietschel, sowie dem dänischen Märchendichter Hans Christian Andersen gehörte auch der von der heutigen indonesischen Insel Java stammende Maler Raden Saleh (1811 – 1880) dazu. Ihm zu Ehren wurde das kleine Gebäude im javanesischen Stil errichtet.
Die Hans-Christian-Andersen-Lärche

Ein schmaler Waldweg führt mich zu einem weiteren interessanten Platz. Eine kleine Lärche, eine Bank und eine Lesebox empfangen mich. Hier pflanzte der Dichter Hans Christian Andersen 1844 eine Lärche. Diese stand wohl reichlich 100 Jahre an dieser Stelle. Als Überrest des alten Baumes sind heute Teile des vertrockneten Baumstumpfes im Heimatmuseum Maxen und im H.C. Andersen Hus in Odense (Dänemark – Geburtsort von H.C. Andersen) zu sehen. In Maxen pflanzte der örtliche Heimatverein 2001 eine neue Lärche. Nun gibt es dazu die passende HCA-Bank zum Verweilen und schon längere Zeit eine kleine Andersen-Bibliothek (geschützt in einer Plasteschachtel) zum literarischen Entspannen.
Ich verlasse den Ort der Ruhe und wandere über ein abgeerntetes Feld in Richtung Ortszentrum zurück. Die Stoppeln sind umgeackert, jeder Schritt staubt. Das kenne ich doch! Vor ungefähr 50 Jahren habe ich das öfters gemacht, in den großen Sommerferien, auf dem Lande, bei meiner Großmutter. Damals wie heute fühle ich mich dabei sehr wohl, mitten in der Natur.
Das Heimatmuseum Maxen
Mein letztes Ziel ist das Heimatmuseum im Ort. Am Museum angekommen, überraschten mich zuerst die Öffnungszeiten – geöffnet jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Betreiber ist der Heimatverein, er koordiniert die Ausstellungen und Veranstaltungen. Auf einer Etage wird eine Vielzahl von geschichtlichen und kulturellen Ereignissen der Region präsentiert.

Ich nutze die Möglichkeit des Besuches. Mangels weiterer Besucher hatte ich die vier kleinen Räume ganz für mich allein. Die anwesende Frau Jutta Tronicke ergänzte die Ausstellungstafeln mit sachkundigen Erklärungen. Dabei entwickelten sich interessante Gespräche, welche weit über die normale Öffnungszeit hinaus andauerten.
Die Präsentation selbst ist in fünf Grundthemen gegliedert:
- die Entwicklung des Dorfes, ihrer Einwohner und deren Anwesen
- Industriegeschichte Kalkabbau und Marmorgewinnung
- die Geschichte der Naturbühne Maxen bis zur Gegenwart
- der Kunstkreis um das Ehepaar Serre
- die Darstellung der Schlacht bei Maxen (1759) als Diorama
Wie so oft in den kleinen und kleinsten Museumseinrichtungen ist mir auch in Maxen wieder etwas aufgefallen. Die Exposition glänzt nicht durch interaktive Medien oder wird durch Audio-Guides unterstützt, aber sie ist sehr persönlich und ausreichend informativ. Das gefällt mir.
Als ich das Heimatmuseum von Maxen verließ, hatte ich mehrere „Intensivkurse“ über die vielfältige Geschichte und die Sehenswürdigkeiten von Maxen erhalten.
Der Kalkofen an der Winterleite

Nach soviel Kultur, verlasse ich den Ort und fahre mit dem PKW in Richtung Müglitztal. Eine letzte Sehenswürdigkeit steht aber noch auf dem Plan. An der Maxener Straße, welche ins Tal führt, steht der Kalkofen an der Winterleite. Obwohl eine Tafel an der Fassade die Bezeichnung „Marienschacht 1838“ enthält, wird in der Fachliteratur immer nur vom Marienofen geschrieben.

Auf alle Fälle ist dieses Objekt technisch und touristisch aktuell noch nicht so hergerichtet, wie der Ofen an der Naturbühne. Trotzdem ist er nicht uninteressant. Eine vor dem industriegeschichtlich bedeutenden Bau stehende Informationstafel enthält Erläuterungen, Skizzen und alte Fotos zum Thema Kalkbrennöfen, besonders zum sogenannten „Rumford-Verfahren“.








