Großenhain die Stadt mit Überraschungen

Neuigkeiten für Heimatinteressierte
Großenhain, die Stadt an der Großen Röder, die Stadt an der B101, die Stadt mit dem Cottbuser und Berliner Bahnhof. Sehr oft bin ich durch Großenhain Stadt Großenhain gefahren, mit dem Zug und mit dem PKW. Nie habe ich mir Zeit genommen, den Ort mal richtig zu besuchen. Das hat sich nun geändert. Im Sommer 2023 habe ich mich endlich auf den Weg gemacht und Großenhain in einem Dreivierteltagesausflug näher besichtigt.
Großenhain – durch die Stadt per pedes
Als Startpunkt für meinen Stadtrundgang durch Großenhain, was bis 1856 nur Hayn hieß, wählte ich den Parkplatz am Topfmarkt. Nach wenigen Schritten befand ich mich im historischen Stadtkern, der wie eine Insel inmitten des Stadtrings liegt. Dieser ist in die vier Straßenabschnitte Franz-Schubert-Allee, Carl-Maria-von-Weber-Allee, Beethovenallee und die Mozartallee gegliedert, was eine leichte Orientierung ermöglicht.

Kreuz und quer lief ich durch die Gassen und Straßen. Ihre Namen sind meist eng mit der regionalen Geschichte verbunden und bieten dem Heimatinteressierten viel Spielraum für eigene Überlegungen. In einem Adress- und Geschäftshandbuch der Stadt Großenhain von 1884 finde ich z.B. die noch heute vorhandenen Braugasse, Poststraße, Klostergasse, Schlossstraße, Apothekergasse, Frauengasse, Frauenmarkt, Hauptmarkt und natürlich den Kirchplatz.
Nebenbei fallen mir im erwähnten Adressbuch vier Straßennamen auf, die es so nicht mehr gibt. Es handelt sich um die Augustusallee (heute Carl-Maria-von-Weber-Allee), die Marienallee (heute Beethovenallee), die Johannesallee (heute Mozartallee) und um die Amalienallee (heute Franz-Schubert-Allee). Alle zusammen ergeben den schon erwähnten Stadtring, welcher die Altstadt einschließt.
Etwas Großenhainer Geschichte
Vorbei an den markanten innerstädtischen Sehenswürdigkeiten von Großenhain, wie Schloss, Stadtmuseum „Alte Lateinschule“, Marienkirche und Rathaus mit Marktplatz führte mich mein Spaziergang immer wieder in die zahlreichen Gassen. Dabei fielen mir nicht nur die überwiegend sanierten und unterschiedlich gestalteten Häuserfronten auf, sondern oftmals auch die Hauszeichen oberhalb der Eingangspforte. Deren Symbole lassen Rückschlüsse auf das vom ehemaligen Besitzer oder Bauherrn ausgeübte Handwerk zu (Bäcker, Handschuhmacher, Tischler, Fleischer). Als noch interessanter erachtete ich die Tatsache, dass fast alle Hauszeichen ähnliche Jahreszahlen von 1744 bis 1748 aufweisen. Was hat es damit auf sich?
Im Haus Töpfergasse 6 brach am 8. Juni 1744 ein Brand aus, der sich innerhalb von drei Stunden zu einem Stadtbrand entwickelte. Dreiviertel der Stadt wurde zerstört. Das Feuer vernichtete 380 Häuser, zwei Kirchen, das Rathaus und drei Tortürme. Fünf Menschen starben. Beim folgenden Wiederaufbau zwischen 1744 und 1748 erhielten die Hauszeichen die Zahlen des jeweiligen Baujahres.
Ich verließ den Stadtkern und lief durch die Poststraße, vorbei an der Klosterruine des ehemaligen Nonnenklosters, in Richtung Bahnhof. Gleich neben dem Gebäude befindet sich mit der Karl-Preusker-Bücherei die städtische Bibliothek, deren Namensgeber der Initiator der ersten öffentlichen Bibliothek Deutschlands war.

Karl Benjamin Preusker (1786 – 1871) wurde in Löbau geboren und verstarb in Großenhain. In beiden Städten ist er Ehrenbürger, auch wenn er in Großenhain (damals noch Hayn) intensiver gewirkt hat. In Großenhain gründete er 1828 eine Schulbibliothek, die 1833 vom Stadtrat als öffentliche Bibliothek anerkannt wurde.
Die zwei Bahnhöfe von Großenhain
Mein Weg führte mich durch die Bahnhofstraße zum Großenhainer Bahnhof, den ich bald erreichte. Das eindrucksvolle Gebäude ist von weitem sichtbar. Auch an diesem Ort versteckt sich wieder eine interessante Geschichte.

Schon 1862 wurde die Eisenbahnstrecke Großenhain – Priestewitz mit Anschluss an die Verbindung Leipzig – Dresden eingeweiht, was auch einen Bahnhofsbau zur Folge hatte. Acht Jahre später verlängerte man diese Strecke bis ins preußische Cottbus. Die heutige Bahnlinie RE18 verläuft noch immer genauso.
Mit der Eröffnung der Bahnstrecke Dresden – Berlin im Jahr 1875, die auch durch Großenhain führte, hatte die Stadt plötzlich zwei Bahnhöfe. Ab da hießen diese Großenhain Cottbuser Bahnhof (die bis dahin einzige Station) und Großenhain Berliner Bahnhof. Das war bis 2002 so. Der letzte Passagierzug hielt in Großenhain Berl Bf (so die offizielle Bezeichnung) am 13. Dezember 2002. Von da ab läuft der ganze Bahnverkehr über den Cottbuser Bahnhof. Damit war auch der Hinweis im Kursbuch oder Taschenfahrplan „Ankunft bzw. Abfahrt Berl Bf. Fußwegübergang nach und von Cottb Bf. 10 Min“ nicht mehr notwendig.

Finale
Nach der äußeren Besichtigung des Bahnhofsgebäudes lief ich über die Mozartallee und die Franz-Schubert-Allee zu meinem Ausgangspunkt, dem Parkplatz am Topfmarkt zurück. Dort angekommen, stelle ich fest, dass Großenhain doch interessanter sein kann, als erwartet.








