Königsbrück an der Via Regia

Königsbrück bei Dresden
Immer wieder, wenn ich Dresden in Richtung Nordosten über die Landstraße verlassen habe, ging meine Fahrt durch die kleine Stadt Königsbrück. Mit reichlich viertausend Einwohnern zählt dieser Ort zu den kleineren in Sachsen. Trotzdem gibt es die eine und andere Sehenswürdigkeit. Hinzu kommt das angrenzende Naturschutzgebiet (NSG) Königsbrücker Heide, ein ehemaliger Truppenübungsplatz, welches sich seit Jahren für kürzere Ausflüge anbietet.
Bis September 1998 rollte der gesamte Fahrzeugverkehr noch über zwei Einbahnstraßen durch die Innenstadt. So wurde ich selbst als Durchreisender immer wieder daran erinnert, die Stadt mit dem Schloss, dem kleinen Marktplatz und der Kamelienschau (von Ende Januar bis Ende März) doch endlich mal genauer zu besichtigen. Nun entlastet eine Umgehungsstraße das Zentrum und seine Bewohner.
Das Naumann-Mausoleum in Königsbrück

Kleinstädte haben für Besucher den Vorteil der kurzen Entfernungen. Schnell können Sehenswürdigkeiten und / oder Attraktion besichtigt werden. Das meist auch noch zu Fuß. In Königsbrück sind es vom Marktplatz bis zur Stadtkirche gerademal 300 Meter. Noch einige Schritte um die Kirche und schon stehe ich vor einem interessanten Gebäude. Es handelt sich um das Mausoleum der Familie Naumann.
Bruno Naumann gründete 1868 eine kleine Werkstatt für Feinmechanik. 1869 gesellte sich ein gewisser Emil Seidel hinzu. Er brachte etwas mehr Kapital mit und schon gab es ab 1870 die danach weltbekannte Firma Seidel & Naumann, Produzenten für Fahrräder, Nähmaschinen und Schreibmaschinen. Obwohl Emil Seidel schon sechs Jahre später wieder ausstieg, wurde der Firmenname beibehalten. Der Erfolg blieb auch und so konnte Bruno Naumann 1891 die Villa Stockhausen in Dresden und 1893 die Standesherrschaft Königsbrück erwerben. Karl Robert Bruno Naumann zu Königsbrück, so ab dahin sein voller Name, starb leider schon 1903 in Dresden Loschwitz. Er wurde 58 Jahre alt. Im Sterbejahr wurde eben dieses Mausoleum in Königsbrück als Jugendstilbau errichtet. Es dient bis heute der Familie Naumann als Grabstätte.
Was ist daran so interessant? Immerhin ist der Familienname Naumann in Deutschland nicht ganz ungewöhnlich. Der schon erwähnte Historikerbeitrag und inzwischen auch eine Tafel neben der Grabstätte geben Auskunft darüber.
Naumann, Lingner und die Mausoleen
Übrigens: Die Villa Stockhausen ging in das Eigentum des Sohnes Walther Naumann über. Von ihm erwarb ein gewisser Karl August Lingner (1861 – 1916) im Jahr 1906 die Villa, später auch in Lingnerschloss umbenannt. Lingner war rund 20 Jahre zuvor noch ein kleiner Angestellter in der Firma Seidel & Naumann. Mit seinem antiseptischen Mundwasser verdiente er aber Millionen und wurde als Odolkönig bekannt.
Leider hatte auch er kein langes Leben. Karl August Lingner wurde nur 54 Jahre alt. Fünf Jahre nach seinem Tod wurde auch er in einem Mausoleum, welches am Fuße des Schlosses errichtet wurde, beigesetzt. Der Architekt Hans Poelzig und der Bildhauer Georg Kolbe zeichnen für den Bau dieses Grabmals verantwortlich.
Das Schloss Königsbrück

Der Weg vom Mausoleum in Königsbrück bis zum Schloss ist nicht weit. Dieses ist aber seit 2001 in Privatbesitz. Im Jahr 2006 war es noch zugänglich, zwei Fotos einer damaligen Ausstellung zeige ich hier zur Erinnerung. Leider ist es aktuell geschlossen und laut Aussage des Tourismusbüros Königsbrück gibt es hierzu keine Erkenntnisse, wie es weiter geht. Schade.


Plastiken von Curt Tausch
Eine Plastik von Curt Tausch (die Figur eines Pioniers), die ich 2006 noch fotografisch festgehalten hatte, ist leider auch verschwunden. Nun ziert ein leerer Sockel den Schulplatz. Die ehemals im Nachbargebäude angesiedelte Arthur-Kießling-Oberschule befindet sich nun in einem Neubau am Stadtrand. Am alten Gebäude gibt es aber noch eine schöne und in der Aussage wohl immer zutreffende Wandgestaltung zu sehen. Hoffen wir, dass diese nicht auch plötzlich verschwunden ist.
Curt Tausch (1899 – 1969) wird meist mit seinem Denkmal auf dem Scheibischen Berg oberhalb von Königsbrück erwähnt. Seine anderen Plastiken und Figurengruppen sind aber auf alle Fälle einer separaten Beschreibung wert.
Louise Gräfin von Hohenthal
Schlussendlich möchte ich noch eine Frau erwähnen, deren Grabstein an der Rückseite der Stadtkirche zu finden ist. Louise Gräfin von Hohenthal (1808 – 1845) ist ihr Name. Als Gründerin des Louisenstifts in Königsbrück (jetzt Louisenstift gGmbH) und als Mitbegründerin der Diakonissenanstalt Dresden hat sie sich in ihren kurzen 36 Lebensjahren intensiv für die benachteiligten und armen Menschen, besonders für die Kinder eingesetzt.




