Sehenswürdigkeiten in Grillenburg

Grillenburg im Tharandter Wald
Nicht ganz 25 km vom Stadtzentrum Dresdens entfernt, befindet sich mit der Ortschaft Grillenburg das Zentrum des Tharandter Waldes. Das ist nur regional gemeint, denn mit etwas mehr als 100 Einwohnern ist das Dorf schon seit 1973 Teil des Nachbarortes Kurort Hartha und mit diesem seit 1999 Ortsteil der Stadt Tharandt.
Für Erholungssuchende ist Grillenburg aber noch immer eine erste Adresse. Am Ortseingang, von Tharandt kommend, steht ein großer, kostenpflichtiger Zentralparkplatz zur Verfügung. Alle Sehenswürdigkeiten und Freizeitmöglichkeiten können von dort bequem erreicht werden. Wanderungen aller Art sind möglich. Einen mittellangen „Rundweg durch den Tharandter Wald„, der Grillenburg tangiert, habe ich schon beschrieben.
Umbau der Schlossinsel
Ein aktueller Hinweis zum Umbau der Schlossinsel vorweg.
Ich habe diesen Beitrag im Juni 2022 verfasst. Zu dieser Zeit war das Schloss geschlossen und die meisten Gebäude in einem desolaten Zustand. Der Inselbereich war begehbar.
Die TU Dresden plante, auf dem Areal der Schlossinsel das „Wissenschafts- und Tagungszentrum Schlossinsel Grillenburg“ zu errichten. Konkrete Entscheidungen gab es damals noch nicht.
Das hat sich geändert, jetzt (seit August 2024) gehört das Areal der TU Dresden und der geplante Umbau mit Neubau wird erfolgen. Ich beziehe mich in meinem Beitrag, auch bei Aktualisierungen, nicht auf diesen Vorgang. Wenn es mir möglich ist, führe ich unten einige Links zum Thema auf.
Die Dresdner Lungenflügel

Der Tharandter Wald wird auch als der eine der beiden Lungenflügel der Stadt Dresden bezeichnet. Die im Nordosten der Landeshauptstadt liegende Dresdner Heide und der südwestlich mit etwas räumlichen Abstand befindliche Tharandter Wald haben fast die gleiche geografische Größe. Die „Heide“, welche auch zum Stadtgebiet Dresden gehört, ist mit dem städtischen ÖPNV schneller zu erreichen.
Für eine Aktivität im Tharandter Wald kann auch der öffentliche Nahverkehr genutzt werden, nur ist dies recht umständlich und zeitlich aufwändig. So nutzen viele Ausflügler eben doch den eigenen PKW, was spätestens im Herbst zur Pilzsaison nicht zu übersehen ist.
Grillenburger Schlossinsel

Der kompakte Ortskern wird durch mehrere Teiche und einen markanten Schlossbau, dem Jagdschloss Grillenburg, gekennzeichnet. Von der Hauptstraße kommend, kann die zwischen Oberen und Unteren Teich liegende Schlossinsel über eine steinerne Brücke begangen werden.
Jagdhaus und Jagdschloss Grillenburg

Die baulichen Wurzeln der Schlossanlage reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück. In den folgenden Jahrhunderten führten Kriege, Änderungen im Besitzstand und auch ein Brand im Jahr 1654 zu Zerstörungen, Neuaufbau, Umbau und Neugestaltung.
Bis zum Jahr 1855 war das spätere Jagdschloss noch ein Kurfürstliches Jagdhaus und wurde als Jagd- und Verwaltungssitz genutzt. Mit dem Abbau dieser Aufgaben in Grillenburg, erfolgte im genannten Jahr eine Rekonstruktion des Gebäudes. Das Jagdhaus wurde in ein königliches Jagdschloss gewandelt, die heute sichtbare Fassade wurde geschaffen.
Nach Ende der sächsischen Monarchie gab es wieder neue Nutzer wie den evangelisch-lutherischen Jungmännerbund und die Sächsische Bauernhochschule. Gleichzeitig entstand ein Café mit öffentlichem Gondelbetrieb.
Auch das Jahr 1945 brachte wieder eine Zäsur. Nach einem kurzen Intermezzo als Schulungsheim, begann im Jahr 1953 eine stabile und langjährige Nutzung durch die TU Dresden (bis 1961 TH). Die Forstliche und Jagdkundliche Lehrschau wurde 1966 eröffnet und mit dem „Museum des Waldes“ gab es eine absolut passende Ausstellung dazu. Auf über 500 Quadratmetern Fläche konnten sich Besucher so über die Forstwirtschaft und das Jagdwesen informieren. Erst im Jahr 2004 ging die Sammlung an die Akademie der 1998 neu gegründete Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt über. Ursprünglich war sogar geplant, dass die komplette Stiftung im Jahr 2014 nach Grillenburg zieht.
Leider wurden aber die Sammlungen im Jahr 2008 ausgelagert, das Schloss sollte rekonstruiert werden. Genau das passierte aber nicht und seitdem nagt der berühmte Zahn der Zeit an der Gegend. Dadurch hat Grillenburg leider eine der wenigen Sehenswürdigkeiten verloren.
Neues Jägerhaus Grillenburg
Einige Schritte hinter dem Jagdschloss, etwas erhöht, befindet sich ein weiteres Anwesen. Auf Grund seiner Lage ist dieses Gebäude auch schon von weitem als Hauskomplex hinter dem Schloss zu entdecken. Es handelt sich um das „Neue Jagdhaus“, welches auf Betreiben der Landesforstverwaltung in den Jahren 1938 – 39 als staatliches Gästehaus gebaut wurde. Der damalige sächsische Ministerpräsident M. Mutschmann, gleichzeitig NSDAP-Gauleiter und Gaujägermeister ließ das Objekt entsprechend seinen Vorstellungen und eigenen Ängsten (eigenen Luftschutzbunker) zur intensiven Eigennutzung ausbauen. Eine umfangreiche architektonische Beschreibung findet sich hier.
Nach 1945 wurde das Jägerhaus bis 1990 als VdN-Kurheim genutzt. VdN steht dabei für „Verfolgter des Naziregimes“. In den weiteren Jahren änderten sich die Eigentumsverhältnisse öfters. Im Juni 2022 erhielt ich bei telefonischen Anfragen bei der Pressestelle der TU Dresden und bei der Forststadt Tharandt die gleichlautende Antwort: die Eigentumsverhältnisse sind unverändert.
Das Jagdschloss gehört dem Freistaat und das Neue Jägerhaus der Stadt Tharandt. So ist also die immer wieder im Internet verbreitete Information, dass die Stadt Tharandt das Neue Jägerhaus 2012 an den Freistaat Sachsen abgetreten habe falsch.


Jagdschloss und Neues Jägerhaus – wie weiter?
Die Frage, wie geht es nun weiter mit den beiden historischen Gebäuden und ihrem Umfeld auf der Schlossinsel, beschäftigt tatsächlich viele Menschen.

Im August 2019 veröffentlichte die TU Dresden im eigenen Newsportal eine interessante Nachricht. In einer Absichtserklärung wollen der Freistaat Sachsen, die TU Dresden und die Forststadt Tharandt „Das Jagdschloss Grillenburg im Tharandter Wald (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) … zu einem repräsentativen Workshop- und Tagungszentrum für Wissenschaftler“ umbauen.
Seit dem 16. August 2024 gehört die Schlossinsel in Grillenburg der TU Dresden. Alle Gebäude und die Parkanlagen wurden vom Freistaat Sachsen und der Stadt Tharandt übertragen. Die entsprechende Information dazu.
Naturbad / Badesee

Nach der Besichtigung der interessanten Schlossinsel verlasse ich diese am Torausgang hinter dem Neuen Jägerhaus. Ich nutze einen Pfad am Oberen Teich, um nach wenigen Metern zum naturbelassenen Badesee Grillenburg zu gelangen. Ursprünglich war es die Faule Pfütze, heute wird es als Naturwaldbad bezeichnet.
Ich kenne diesen größeren Teich noch aus meiner Kindheit. Damals gab es wirklich nur Wasser und Wiese. Heute sieht das Areal gepflegt aus, die beiden Uferseiten sind in „textil“ und „naggsch“ (FKK) aufgeteilt und für die Hungrigen und Durstigen steht ein Bistro zur Verfügung. Man sollte allerdings nicht in der Mittagszeit kommen. Da speist der Kioskbetreiber, was er auf einem Schild eindrucksvoll kundtut.
Gondelteich + Kiosk

Wer doch nicht warten möchte, läuft einfach 400 m am Unteren Teich weiter. Schnell ist der Gondelteich Grillenburg erreicht. Neben der Hauptaktivität, dem Gondeln in stabilen Ruderbooten, ist hier die Nutzung des Kiosks unkompliziert möglich. Auf einer kleinen Terrasse sitzend, immer mit Blick zum Schloss und auf den Teich, können Speisen und Getränke in der Sonne genossen werden.
Walderlebnisse für Kinder
Gleich hinter dem Waldhof beginnt der Grunder Weg. Nach wenigen Metern stehen mit dem Abenteuerpfad und dem Sinnespfad zwei künstlich angelegte Walderlebnisse für Kinder zur Verfügung. Leider sind beide Wege schon in die Jahre gekommen und eine minimale Sanierung wäre angebracht. Vielleicht zählt es dann auch wieder zu den Sehenswürdigkeiten von Grillenburg.
Grillenburg im Tharandter Wald ist als Ort zum Erholen immer eine Empfehlung wert. Auch wenn es im Ort kein wirkliches Restaurant gibt und die An- und Abfahrt mit den „Öffentlichen“ etwas umständlich ist, gleichen Natur, Badesee und Gondelteich alles wieder aus.
Vielleicht gibt es auch eines Tages mal wieder ein „Museum des Waldes“ im Jagdschloss oder im Jägerhaus.

