Ottos Eck in Naundorf bei Schmiedeberg

Ottos Eck über dem Tal

Bei einer der vielen Fahrten in Richtung Kipsdorf, Altenberg, Zinnwald sah ich ihn mal wieder, den Turm auf den Höhen vor Schmiedeberg. Kurz vor dem Ortseingang des gleichnamigen Orts, lenkt ein Hinweisschild an der Straßenkreuzung in Naundorf (beide Ortschaften gehören seit 2014 zur großen Kreisstadt Dippoldiswalde), die Aufmerksamkeit auf den Aussichtsturm.
Ich entschloss mich zu einem Blitzbesuch. Die steilen Kehren waren schnell absolviert und schon stand ich vor dem Parkeingang. Dieser befindet sich gegenüber einem Schloss, dem Schloss Naundorf, welches ich bis zu diesem Tag auch noch nicht kannte. Meine Überraschung wurde von Schritt zu Schritt größer. Mich empfing ein gepflegter Park, viele Bänke und ebenso viele Hinweisschilder mit Baumbezeichnungen. Das gesamte Areal ist in einem sehr gepflegten Zustand. Ein breiter und viele kleine Wege führen durch den Park und haben „Ottos Eck“, den aus dem Tal sichtbaren Turm, zum Ziel. An diesen ist ein kleiner Pavillon angegliedert.
Ottos Eck und der Heimatverein Naundorf

Wie bei solchen Anlagen üblich, fängt die Geschichte nicht erst gestern an. Ein gewisser Wilhelm Eduard Otto (1823 – 1897) beginnt 1846 auf dem damaligen Capellenberg mit der Ordnung von Bäumen. Der Vorläufer eines Landschaftsparks entsteht. In Ottos Wirkungszeit fällt auch die Errichtung des Aussichtsturmes mit Pavillon, „Ottos Eck“ genannt. Später wird in diesem Zusammenhang ein Heinrich Oscar Bierling (1852 – 1944) angeführt. Ihm gehörte das benachbarte Rittergut Naundorf, welches er 1898 erwarb. Auch er machte sich um die Parkerweiterung verdient.
Weitere Angaben zum Park und auch zum Schloss sind auf der Homepage des 2001 gegründeten Naundorfer Heimatvereins „Otto’s Eck“ e.V. zu finden.
Dieser Verein ist auch der Hauptinitiator für die zahlreichen Veränderungen, Sanierungen und Initiativen in Form von jährlich stattfindenden Parkfesten. Leider waren diese in den Jahren 2020 und 2021 nicht bzw. nur in eingeschränkter Form möglich. Nun hofft der Verein, dass das nächste Parkfest am 21. August 2022 in toller Atmosphäre, bei schönstem Wetter und mit zahlreichen Besuchern bei „Ottos Eck“ abläuft.

Gleich nebenan, das Schloss Naundorf
Das schon erwähnte Schloss gegenüber dem Parkeingang ist ursprünglich ein Rittergut. Dessen Erwähnung und Geschichte geht bis zum Jahr 1608 zurück. Nach Ende des 2. Weltkrieges erleidet das Objekt ein ähnliches Schicksal, wie viele Schlösser, Rittergüter und Herrenhäuser im Osten Deutschlands. Leider haben die erneuten gesellschaftlichen Veränderungen ab 1990 keine Besserungen gebracht. Ab 1999 ging die Tendenz leider nur in eine Richtung – Verfall.
Seit 2017 gibt es aber endlich wieder einen neuen Besitzer. Und dieser bringt Leben ins Schloss. Auf der Homepage des Freundeskreis Schloss Naundorf e.V. werden interessante und transparente Informationen zum Stand es Umbaus und der Möglichkeit von Besichtigungen dargestellt. Leider sind die Informationen nicht sehr aktuell.
Neues und Bekanntes von Ottos Eck
Bei aprilmäßigen Wetter wiederholte ich am ersten Sonntag im Oktober 2025 meinen Ausflug zu Park und Aussichtsturm. Ich wollte einfach mal schauen, ob es was Neues gibt. Über die entsprechende Internetseite ist da nicht so viel zu erfahren.
Immerhin konnte ich den Turm besteigen. Leider ist die Aussicht nur durch geschlossene Fenster möglich. Attraktive Fernsichten sind ohnehin nicht zu erwarten, wenn man Glück hat, fährt im Weißeritztal gerade ein Zug der Schmalspurbahn. Schön anzusehen ist die historische Ausmalung (Herstellung 2009) des Turmes und auch des kleinen Saales im Erdgeschoss.
Ein herbstlicher Ausflug mit Parkrundgang
Mein Ausflug wurde von Regen, Wind und auch etwas Sonne begleitet. Viele Besucher sind da im Park kaum zu erwarten. Insgesamt traf ich drei Personen. Trotzdem bieten sich die Wege für einen kleinen Rundgang an. Dabei ist an allen Ecken zu sehen, vor welchen Herausforderungen der Naundorfer Heimatverein Ottos Eck e.V. als Verwalter des Anwesens steht. Neben der Werterhaltung der älteren, teilweise auch erst vor Jahren rekonstruierten Objekte, treten plötzlich die Anforderungen des Alltags in den Vordergrund. Gibt es im Erzgebirgsvorland stärkere Winde, verlieren die zahlreich vorhandenen großen, alten Bäume auch mal Äste oder halbe Baumpartien. Die Beseitigung der Schäden kann dann wohl nur durch den Verein und wahrscheinlich nur über die Spenden- und Vereinskasse erfolgen. Da bleibt kaum Luft für Neuanlagen.

Trotzdem „Hut ab“, dass der kleine Park mit seinem Springbrunnen, den Wegen und natürlich mit dem Turm als bescheidenes Erholungsrefugium in einem passablen Zustand gehalten wird.





